Willkommen im Historicum

Geschichte in Zeiten des Krieges …

Wenn – wieder einmal – mit historischen Argumenten im nach 1945 mühsam befriedeten Europa ein Angriffskrieg legitimiert werden soll, wenn in bizarrer Verdrehung der Tatsachen mit genozidalen Absichten eine demokratisch gewählte Regierung als „Nazis“ verunglimpft und damit massive militärische Gewalt gegen die Einwohner eines souveränen Landes gerechtfertigt wird, sollten die Vertreter und Vertreterinnen der historischen Wissenschaften Stellung beziehen und sich klar gegen den Missbrauch ihres Faches positionieren.
An geschichtswissenschaftlichen Instituten der gesamten Welt werden über 200 Jahre erprobte und kontinuierlich an neue Arten von Quellen angepasste historische Methoden gelehrt, wird die kritische und vergleichende Interpretation von Quellen eingeübt. Wir bilden mündige Bürgerinnen und Bürger aus, die als Lehrer*innen, Journalist*innen, Politiker*innen, Multiplikator*innen in vielen gesellschaftlichen Bereichen Einfluss nehmen und wieder andere zum kritischen Denken, Recherchieren und Kommunizieren befähigen. Wir bilden Wissenschaftler*innen aus, deren Tätigkeit frei von staatlicher Zensur und von politischer Einflussnahme geschichtswissenschaftliche Forschung weiterentwickelt. Der deutsche Nationalsozialismus hat gezeigt, wie wichtig diese Unabhängigkeit ist, hat unsere Zunft in dieser Zeit die Expansion und den Genozid doch mit vorbereitet und legitimiert. Wir sind heute keine willfährigen Lieferant*innen staatlich erwünschter Argumente oder Geschichtsmythen. Darum weisen auch wir die perfiden historischen Anmaßungen des russischen Präsidenten aufs Schärfste zurück.
Nichts, aber auch gar nichts kann einen Angriffskrieg rechtfertigen, nichts aber auch gar nichts legitimiert Gewalt gegen die Zivilbevölkerung! Besonders perfide ist, dass ein Diktator wie Wladimir Putin, der im eigenen Land jede sachliche Meinungsbildung, wozu vornehmlich freie Recherche und Publikationsmöglichkeiten gehören, brutal unterdrücken lässt, es dennoch für nötig hält, seinen Überfall auf die Ukraine v.a. innenpolitisch historisch zu legitimieren. Damit ist er nicht der erste und wird vermutlich auch nicht der letzte Autokrat sein.
Der ehemalige KGB-Agent inszeniert sich bereits seit einiger Zeit öffentlich als professioneller (Hobby-)Historiker, der es besser zu wissen scheint als die gesamte internationale Geschichtswissenschaft. Er bemäntelt seine machtpolitischen Ziele als historische ‚Verpflichtungen‘ gegenüber einer metaphysisch überhöhten und dabei gleichzeitig als Opfer inszenierten russischen Nation und relativiert dabei die unzähligen Grausamkeiten des zaristischen wie des sowjetischen Staatsapparates als ‚historische‘ Notwendigkeiten‘.
Prof. Dr. Maren Lorenz, Geschäftsführende Leiterin des Historischen Instituts (08.03.2022)

  • Klaus Gestwa: Putin, der Cliotherapeut. Überdosis an Geschichte und politisierte Erinnerungskonflikte in Osteuropa, in: NPL, 17.12.2021
    Zur lehrreichen Lektüre empfohlen sei darum an dieser Stelle der instruktive und frei zugängliche, bereits Ende 2020 verfasste, Beitrag des Tübinger Kollegen Klaus Gestwa, der den konkreten zeithistorischen Kontext, der besonders heiklen und tabugeschwängerten gesamten osteuropäischen Geschichtspolitik und die manipulativen Strategien des putinschen ‚Erinnerungskrieges‘ als Wegbereiter von Angriffskriegen quellengesättigt vor Augen führt. Deutlich wird darin auch, wie vielfältig aller Zensurpolitik zum Trotz, auch innerhalb der zerrissenen russischen Zivilgesellschaft das Ringen um historische Differenzierungen war und ist.
  • Stellungnahme des VOH (Verbands der Osteuropahistorikerinnen und -historiker)
    Verwiesen sei stellvertretend für viele andere Positionierungen der wissenschaftlichen Community auf die eindeutige Stellungnahme des VOH (Verbands der Osteuropahistorikerinnen und -historiker) zur den Krieg legitimierenden und dabei die staatliche Unabhängigkeit der Ukraine pseudohistorisch delegitimierenden Rede Putins vom 22.02.2022.
  • Informationsseite von H-Soz-Kult
    Das Fachinformationsportal H-Soz-Kult hat eine Informationsseite zum aktuellen Krieg, vorwiegend mit Interviews und Rezensionen zu vertiefender Fachliteratur der vielfältig miteinander verwobenen Geschichte der geografischen Räume von Ukraine, Russland und Belarus zusammengestellt.
  • Spenden für Studierende und Wissenschaftler*Innen aus der Ukraine
    Angesichts der täglich weiter eskalierenden Gewalt und der immer weiter anschwellenden Zahl an Fliehenden sei an dieser Stelle last but not least auf die Notwendigkeit konkreter Unterstützung hingewiesen. So sammelt z.B. die RUB Spenden für Studierende und Wissenschaftler*Innen aus der Ukraine.

Geschichte in Zeiten von Corona…

Die anhaltende „Corona-Krise“ hat nach wie vor Auswirkungen auf die Arbeit am Historischen Institut: Angesichts der aktuellen Entwicklungen zum Beginn des Wintersemesters 2021/22 kann immerhin über die Hälfte der Lehrveranstaltungen in Präsenz oder im Hybridmodus angeboten werden.
Sämtliche Dozierende und Mitarbeiter*innen des Instituts arbeiten wie immer intensiv daran, unseren Studierenden ein möglichst reichhaltiges und wertvolles Studienprogramm in unterschiedlichen Formaten zu bieten. Auf diese Weise kann auch unter den nach wie vor unsicheren Umständen die Studierfähigkeit unseres Fachs bis hin zu Abschlussarbeiten und Prüfungen gewährleistet werden.
Von besonderer Bedeutung ist für unsere gemeinsame Arbeit natürlich der Zugriff auf die Ressourcen der Bibliotheken. Durch den Einsatz zusätzlicher Mittel konnten auch in diesem Jahr weitere digitale Lehrmittel wie Ebooks und Handbücher erworben und dauerhaft für Lehre und Forschung zur Verfügung gestellt werden. Zu den jeweils bestehenden Möglichkeiten und den geltenden Regelungen verweisen wir auf die Internetseiten der UB und der Bereichsbibliotheken.
Auch wenn die allgemeine Situation im Hinblick auf die „Corona-Krise“ weiterhin unser aller Ausdauer, Geduld und Verständnis für einander fordert und manchmal auch sehr strapaziert, wünschen wir unseren Studierenden ein spannendes, erkenntnisbringendes und erfolgreiches neues Semester!

Neue Publikationen aus dem Institut

Open Access

Margit Mersch (Hg.): Mare Nostrum. Studentische Beiträge zur Mediterranistik, 2(2022) - Bilaterale Beziehungen im Mittelmeerraum von der Antike bis zur Frühen Neuzeit.

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Klaus Oschema, Christoph Mauntel (Hg.): Order into Action. How Large-Scale Concepts of World-Order determine Practices in the Premodern World (Cursor Mundi 40), Turnhout 2022.

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Dirk Jäckel; Lisa Klocke; Matthias Weber (Hg.): Thietmar von Merseburg. Historiographie der Grenzwelten, Berlin u.a. 2021.

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Rüdiger Bergien; Debora Gerstenberger; Constantin Goschler (Hg.): Intelligence Agencies, Technology and Knowledge Production. Data Processing and Information Transfer in Secret Services during the Cold War, London 2022.

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Juliane Czierpka, Lars Bluma (Hg.): Der Steinkohlenbergbau in Boom und Krise nach 1945. Transformationsprozesse in der Schwerindustrie am Beispiel des Ruhrgebiets, Berlin 2021.

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Klaus Oschema, Bernd Schneidmüller (Hg.): Zukunft im Mittelalter. Zeitkonzepte und Planungsstrategien (Vorträge und Forschungen, 90), Ostfildern 2021.

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Ingo Köhler, Eva-Maria Roelevink (Hg.): Transformative Moderne: Struktur, Prozess und Handeln in der Wirtschaft: Festschrift für Dieter Ziegler zum 65. Geburtstag, Münster 2021.

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Open Access

Böhmer, J. F., Regesta Imperii III. Salisches Haus 1024-1125. Tl. 1: 1024-1039. 1. Abt.: Die Regesten des Kaiserreiches unter Konrad II. 1024-1039. 2. Lief.: Addenda und Corrigenda, Konkordanztafel, Quellen- und Literaturverzeichnis, Personen- und Ortsregister, bearb. v. Lubich, Gerhard unter Mitarbeit von Jäckel, Dirk; Klocke, Lisa und Weber, Matthias - Köln 2020.

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Jens Adamski, Stefan Berger, Stefan Goch, Helmut Maier u. Daniel Schmidt (Hg.): Forschung, Kultur und Bildung. Wissenschaft im Ruhrgebiet zwischen Hochindustrialisierung und Wissensgesellschaft, Essen 2020.

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Marcus Böick, Constantin Goschler u. Ralph Jessen (Hg.): Jahrbuch Deutsche Einheit 2020, Berlin 2020.

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Elazar Barkan, Constantin Goschler u. James E. Waller (Hg.): Historical Dialogue and the Prevention of Mass Atrocities, London 2020.

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Marcus Böick, Marcel Schmeer (Hg.): Im Kreuzfeuer der Kritik. Umstrittene Organisationen im 20. Jahrhundert, Frankfurt/M. u.a. 2020.

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Constantin Goschler, Marcus Böick, Julia Reus (Hg.): Kriegsverbrechen, Restitution, Prävention. Aus dem Vorlass von Benjamin B. Ferencz, Göttingen 2019.

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Nancy Bodden: Business as usual?: Die Dortmunder Brauindustrie, der Flaschenbierboom und die Nachfragemacht des Handels 1950 bis 1980, Münster 2019.

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Dirk Jäckel u. Gerhard Lubich (Hg.): Ad personam: Festschrift zu Hanna Vollraths 80. Geburtstag (Studien zur Vormoderne 1), Berlin 2019.

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Benjamin Carter Hett, Michael Wala: Otto John. Patriot oder Verräter: Eine deutsche Biografie, Reinbek bei Hamburg 2019.

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Stefan Berger, Alexandra Przyrembel (Hg.): Moralizing Capitalism. Agents, Discourses and Practices of Capitalism and Anti-Capitalism in the Modern Age, Basingstoke 2019.

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Christian Bunnenberg, Nils Steffen (Hg.): Geschichte auf YouTube. Neue Herausforderungen für Geschichts- vermittlung und historische Bildung, Berlin 2019.

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Stefan Berger, Ulrich Borsdorf, Ludger Claßen, Heinrich Theodor Grütter, Dieter Nellen (Hg.): Zeit-Räume Ruhr. Erinnerungsorte des Ruhrgebiets, Essen 2019.

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Olena Petrenko: Unter Männern. Frauen im ukrainischen nationalistischen Untergrund 1944–1954, Paderborn 2018.

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Philipp Brockkötter; Stefan Fraß; Frank Görne; Isabelle Künzer (Hg.): Vertrauen und Vertrauensverlust in antiken Gesellschaften, Göttingen 2022.

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Marcus Böick, Constantin Goschler u. Ralph Jessen (Hg.): Jahrbuch Deutsche Einheit 2020, Berlin 2021.

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Kerstin Droß-Krüpe, Sebastian Fink (Hg.): Powerful Women in the Ancient World. Proceedings of the 8th Melammu Workshop, Kassel, 30 January – 1 February 2019, Münster 2021.

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Karl Klein: Fröschweiler Chronik. Kriegs- und Friedensbilder aus dem Jahr 1870. Herausgegeben, erläutert und kommentiert von Tobias Arand und Christian Bunnenberg, Hamburg 2021.

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Rebecca Brückmann: Massive Resistance and Southern Womanhood. White Women, Class, and Segregation, Athens, Georgia 2021.

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Muriel González Athenas, Falko Schnicke (Hg.): Popularisierungen von Geschlechterwissen seit der Vormoderne. Konzepte und Analysen, Berlin 2020. (= Historische Zeitschrift / Beihefte, N.F. 79)

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Manuel Kamenzin: Die Tode der römisch-deutschen Könige und Kaiser (1150–1349), Ostfildern 2020.

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Peter Rückert, Anja Thaller u. Klaus Oschema (Bearb.): Die Tochter des Papstes: Margarethe von Savoyen. Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Stuttgart 2020.

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Frank Becker, Darius Harwardt, Michael Wala (Hg.): Die Verortung der Bundesrepublik. Ideen und Symbole politischer Geographie nach 1945, Bielefeld 2020.

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Eva Balz, Christopher Kirchberg: Fließende Grenzen. Abwasserpolitik zwischen Demokratie und Diktatur. Emschergenossenschaft und Lippevrband 1930-1960, Essen 2020.

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Dieter Ziegler, Friederike Sattler, Stephan Paul: Hundertfünfzig Jahre Commerzbank 1870-2020. Herausgegeben von der Eugen-Gutmann-Gesellschaft. München 2020.

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Lisa Klocke u. Matthias Weber (Hg.): Das Hochmittelalter - eine vernachlässigte Epoche? Neue Forschungen zum 11.-13. Jahrhundert (Studien zur Vormoderne 2), Berlin 2020.

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Fabian Lemmes: Arbeiten in Hitlers Europa. Die Organisation Todt in Frankreich und Italien 1940-1945, Wien, Köln 2020.

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Chris Jones, Connor Kostick, Klaus Oschema (Hg.): Making the Medieval Relevant. How Medieval Studies Contribute to Improving our Understanding of the Present, Berlin 2019.

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Stefan Berger (Hg.): Constructing Industrial Pasts. Heritage, Historical Culture and Identity in Regions Undergoing Structural Economic Transformation, New York, Oxford 2019.

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Helmut Maier: 100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Materialkunde, 1919 bis 2019. Eine Dokumentation, Essen 2019.(=Bochumer Studien zur Technik- und Umweltgeschichte, Bd. 11)

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Stefan Berger, Christoph Cornelissen (Hg.): Marxist Historical Cultures and Social Movements during the Cold War. Case Studies from Germany, Italy and Other Western European States, Basingstoke 2019.

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Stefan Plaggenborg: Pravda. Gerechtigkeit, Herrschaft und sakrale Ordnung in Altrussland, München 2018:

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Maren Lorenz: Menschenzucht. Frühe Ideen und Strategien 1500-1870, Göttingen 2018.

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